09128 Chemnitz: 2 Wildratten-Weibchen, geb. 09/2020

  • Hallo ihr lieben,


    Ich habe im Oktober spontan ein Notfall-Rattennest adoptiert, aber das Gehege wird einfach zu klein für 9 Ratten und die ewige Trennung in Männchen und Weibchen in zwei kleineren Kompartimenten macht die Tiere auf Dauer auch nicht glücklich. Außerdem fehlt mir einfach die Zeit mich jeden Tag ausreichend mit allen Ratten zu beschäftigen.

    Deswegen möchte ich 2 Weibchen an verantwortungsvolle, erfahrene Rattenmenschen abgeben.


    Sie sind mangels Zeit sich ausführlich mit Ihnen zu beschäftigen noch etwas zurückgezogen und schreckhaft, aber sie nehmen schon Futter aus der Hand und verkriechen sich auch sehr gerne im Pullover. Sie beißen auch wenn man sie sehr bedrängt nicht. Es sind allerdings, sobald sie sich erschrecken noch sehr sprunghafte Ausbruchskünstler, die sich aber mit etwas Geschick und Vorbereitung einfach in eine präparierte Ecke zwischen Möbel und Wand scheuchen und dort dann problemlos mit der Hand aufnehmen lassen. Vorher sollte man zumindest im Raum um das Gehege herum unzugängliche Schlupfwinkel im Voraus abdichten, dann ist das Einfangen auch nur eine Sache von Minuten.


    Das wird die nächsten Wochen im neuen Heim noch so sein und der zukünftige Rattenbesitzer sollte damit wirklich umgehen können! Einige ihrer Brüder, mit denen ich mich mehr beschäftigt habe sind inzwischen so zahm, dass sie gerne freiwillig auf die Hand kommen und sich nur selten Erschrecken und bei Freilauf überall gut wieder einzusammeln sind. Es ist also möglich und nur eine Frage von Zeit und Geduld.


    Die zwei sind Wildfarben, kerngesund und um den 28. September 2020 herum geboren. Krankheiten oder Parasiten konnte der Tierarzt bisher nicht finden.


    Ich würde mich sehr über ehrliche, Rattenbegeisterte Menschen freuen, die Verantwortung für Ihre Tiere übernehmen und Ihnen großen Respekt entgegenbringen.

    Aber ich denke davon habt ihr in diesem Forum hier jede Menge. ;-)


    Beste Grüße
    Rattus


    Betreff geändert, Silva

  • Tja, die Mama hat den Fehler gemacht das Nest mitten in einem vielbenutzten Gang einer LPG hinter dem falschen Heuwürfel zu errichten. Der wurde nach 14 Tagen dann weggetragen und einer der Mitarbeiter hatte Skrupel bei der dort üblichen Lösung von "drauftreten oder in der Gülle ersäufen" und bat mich darum die 9 Babyratten "human" zu euthanasieren. Ich mag Ratten wirklich gerne und auch ein Tierarzt hat manchmal noch ganz winzige Überreste von Gewissen, also habe ich inständig darum gebeten da einfach ein bisschen Heu drüberzuschmeißen und die Ecke der Gnaden halber einfach mal für eine weitere Woche zu ignorieren. Die Jungtiere erwischt es eh fast alle in den ersten Lebensmonaten mit irgendwas und eine Ratte mehr oder weniger macht angesichts von hunderten anderen auch nichts aus. Da führte aber absolut kein Weg rein, und es fanden sich innerhalb von wenigen Minuten drei Leute, die sich sehr rabiat für die übliche Methode anboten. Das eine war als Tierquälerei nicht zu verantworten und grundlos gesunde Tiere zu euthanasieren ist offiziell auch verboten. Zumal ich dazu direkt in 9 quiekende, wärmesuchende, sich windende wehrlose kleine Fellherzen mit großen dunklen Augen und verwirrt witternden Nasen hätte stechen müssen, wahrscheinlich auf Grund der Größe fast nie direkt getroffen hätte und die Rattenbabys jämmerlich krampfend an nicht sofort einsetzendem Atem- und Kreislaufstillstand gestorben wären. Und so abgestumpft das zu wollen bin ich dann doch noch nicht.


    Mammaratte hat noch drei Tage nach den Kleinen gesucht und war somit außerhalb der üblichen Aktivitätszeiten und ungewöhnlich menschennah zu beobachten. Kurz darauf wird dieses gesunde und kapitale Alttier irgendwo anders das nächste Nest angelegt haben und weiterhin zu schlau für die allgegenwärtigen Fraßköder sein. Es tat mir leid das Nest mitzunehmen, aber die Alternativen waren noch grausiger.


    Naja, der Rattenbestand dort ist sehr vital, keine Flöhe, keine toten Alttiere, bei Mensch und Tier seit Jahren trotz täglichem engem Kontakt keine Rattenassoziierten Krankheiten nachgewiesen und Ratten sind extrem intelligente und wahnsinnig anpassungsfähige Kulturfolger, die bei Handaufzucht auch zahm werden können. Mir ist aus einem Tierheim sogar ein Fall mit älteren Ratten bekannt, wo das mit viel Engagement der Pfleger noch gut geklappt hat. Und als Student konnte ich ausführlich beobachten, wie die nicht ganz so schlauen Kommilitonen die Wildratten vorm Wohnheim sogar teilweise mit Erfolg übers Futter zu zähmen versuchten. Die Farbratte ist ja züchterisch auch noch nicht so weit weg von der Wanderratte und bis auf die Inzuchtproblematik sind die insbesondere vom Verhalten her auch noch sehr ursprünglich.


    Deswegen bin ich stark davon ausgegangen, dass es funktionieren kann. Die kleinen waren ca 14 Tage alt, gerade am Augenöffnen, da waren die Überlebenschancen bei noch einer Woche Säugen nicht extrem schlecht, also habe ich mich geweigert gesunde Tiere zu ermorden und die 18 Knopfaugen einfach in einen Karton gepackt und mitgenommen. Ich wollte eigentlich schon immer Ratten haben, wollte aber die extreme Tumorneigung und Krankheitsanfälligkeit der Zuchtratten nicht und hatte ziemlichen Respekt vor den bei Baumarktratten weit verbreiteten Zoonosen. Aber mit einer großen Rattenvoliere in der Wohnung konnte ich gut leben und ich muss sagen, ich habe diese Entscheidung seitdem keinen Tag bereut. Es sind wirklich spannende, lustige und wirklich friedfertige Tiere.


    Aber zwei Weibchen sind noch kein Rudel und das Narkoserisiko bei den Männchen ist einfach gigantisch, zumal die Tierärzte hier in der Gegend das deswegen auch lieber nicht machen wollen. Von daher wäre es cool, wenn sich jemand findet, der die zwei bei sich aufnehmen möchte. Idealerweise schon welche hat oder noch welche dazuhohlen möchte.


    Ich habe mich die letzten Tage so viel wie möglich mit den zwei Weibchen beschäftigt und mittlerweile sind sie deutlich ruhiger beim Hochnehmen, fressen gerne aus der Hand und fühlen sich in Kapuzen und unterm Pullover tierisch wohl. Manchmal kann man sie kaum noch ins Gehege zurücksetzen, weil sie lieber kuscheln wollen. Am panikfreien Freilauf (unbekanntes Gebiet) arbeiten wir noch, also die Vorkehrungen zum Wiedereinfangen sind immernoch nötig, aber ich denke das das bei fähigen Rattenleuten auf lange Sicht auch gut funktioniert.


    Liebe Grüße
    Rattus

  • Ich finde es toll, dass du dich so für die kleinen Ratten eingesetzt:thumbup: und damit verhindert hast, dass sie ihr kurzes Leben schon wieder beenden müssen - und das wahrscheinlich auf eine äußerst unschöne Art und Weise! :(Wilde Ratten können durchaus zahm werden; meine erste Ratte war ein wildes Rattenbaby, das ca. 10 Tage alt war (Fell war komplett vorhanden, die Augen haben sich nach 4 Tagen geöffnet) und "Knopf" war total menschenbezogene Ratte, völlig zahm und zutraulich. Er hat mich unheilbar mit dem Rattenvirus infiziert.<3

  • Finde ich schön, dass Du mit Knopf so einen Erfolg hattest. :)

    Mich haben hier wirklich alle für Verrückt erklärt nach der Aktion mit den Ratten, aber ich glaube, dass das in den nächsten Jahrzehten nicht die letzten Ratten sein werden, die in meiner Wohnung hausen. Das Rattenvirus ist scheinbar hochansteckend. ;)

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