Ratten im Unterricht

  • Hallo,


    Zitat: kilaka schrieb am 2012-11-20 12:27 :
    Hallo,


    da Ratten neophob sind, sind sie für solche Spielchen nicht geeignet.
    Nicht umsonst werden Leute, die ihre Tiere herumtragen wollen, darauf hingewiesen, daß sie ihre Ratten damit von einem Schrecken in den anderen stürzen.
    Mir tun diese Tiere leid und die Halterin hat das Wesen der Ratten nicht begriffen.
    Training wird daran nichts ändern und die Tageszeit ist auch suboptimal.


    Wenn Schulkinder unbedingt Ratten kennen lernen müssen, sind sie besser in Projektgruppen von Tierheimen aufgehoben.


    LG




    Diese Neophobie bezieht sich meiner Information noch eher auf unbekannte, neue Dinge IM Revier der Ratten, besonders bei Wilden. Oder erklär mir mal, wieso Ratten so gerne aus dem sicheren Käfig ausbüchsen, wenn sie so neophob sind? Sie sind nämlich nicht nur das, sondern auch neophil.


    Zum einen das, zum anderen meine ich, dass es in den Studien nicht hieß Ratten sind neophob , sondern Ratten können neophob sein , was ein gewaltiger Unterschied ist, hier aber leider meist verdreht wird.


    Ich finde das Projekt, wenn es vernünftig umgesetzt wird, gut.
    Es ist unglaublich wichtig, dass Kinder Kontakt zu Tieren haben, damit sie ein respektvolles Verhältnis zu diesen aufbauen können, und gerade Ratten als Spezies kann es ganz sicher nicht schaden, wenn diese mal positive Eigenwerbung bekommen und so eventuell weiter weg vom Ekel-Image kommen. Der Umgang mit den Tieren klingt doch laut Artikel sehr vernünftig, und ich glaube nicht, dass neugierige und aufgeschlossene Ratten dadurch gestresst sind.
    Ich hatte auch einige Jungs, die man für so ein Projekt sofort hätte nutzen können und die sich über die Abwechslung ganz sicher gefreut hätten.

    Zitat: Nur weil es ständig gemacht wird, heißt es nicht, daß es tiergerecht ist.


    Mit der Argumentation dürftest du Ratten auch nicht als Haustiere halten.
    Es ist alles andere als tiergerecht, Tiere in Käfige zu sperren. Trotzdem wird es ständig gemacht.


    Lg,
    Steffi

  • Zitat:
    kilaka schrieb am 2012-11-20 23:27 :
    Huhu,
    Weil Ratten als typische Beutetiere andere Instinkte haben als zum Beispiel Hunde. Es setzt sie mehr unter Streß in ein anderes Umfeld verfrachtet zu werden. Nur weil es ständig gemacht wird, heißt es nicht, daß es tiergerecht ist.
    Wir müssen aufpassen, das Normale nicht mit dem Richtigen zu verwechseln.


    Das als alleiniges Argument gilt nicht. Auch Pferde sind Flucht- und Beutetiere. Es gibt aber auch genug von ihnen, die absolut cool, unerschrocken und selbstbewusst sind und perfekte Therapietiere darstellen. Viele Pferde haben Angst in unbekannten Situationen, vor komischen Geräuschen etc... aber man kann ihnen meist beibringen, gelassen damit umzugehen. Wieso sollte das mit Ratten nicht gehen? Sie sind doch für ihre Lern- und Anpassungsfähigkeit bekannt.


    Wieso wird eigentlich immer darauf gepocht, dass Ratten ja ach so individuell sind und dann wieder werden alle über einen Kamm geschoren?


    Und mir stößt es sauer auf, dass anderen Menschen immer gleich das Übelste unterstellt wird. Vor allem wenn man nach eigener Aussage eigentlich keine Ahnung von den Qualifikationen der gesamten Berufsgruppe und der konkreten Person hat. Ich kenne die betreffende Dame aus einem anderen Forum. Sie geht sehr verantwortungsvoll mit ihren Tieren um und würde sie nie unnötigen Strapazen aussetzen. Und sie werden gründlich trainiert. Ich finde das Projekt nach wie vor super!!


    Over und Ende...

  • Moin,
    na da hab ich ja was losgetreten 8|


    Ich kann keine Aussage über die Qualifikation der Frau machen, aber ich möchte mich der Meinung hier anschließen, dass wenn bestimmte Vorraussetzungen erfüllt sind, ich dieses Projekt super finde :)


    Meine Ratten sind überhaupt nich scheu vor Fremden.
    Sie wohnen in Wonzimmer im Dauerauslauf aus PET und sobald jemand ins Zimmer kommt stehn sie vor der Tür des Auslaufs und wollen Aufmerksamkeit.
    Dabei spielt die Tageszeit übrigens keine große Rolle.
    Manchmal ist nur eine wach und kommt gucken, manchmal alle.
    Sie sind es gewohnt, dass hier oft Besuch ist und wenn dann neue Leute da sind, werden diese neugierig im Auslauf erkundet.
    Hier sieht kein Tier so aus, als ob es Stress hätte.


    Auch gehe ich bei Tierarztbesuchen so vor wie Judith und hatte noch nie wirklich gestresste Tiere dort.
    Dadurch, dass sie es gewöhnt sind mit Fremden in Kontakt zu kommen, lassen sie sich dort problemlos handeln und das erspart allen Beteiligten viel Stress.


    Also:
    Ich finde es sollte mehr Schulprojekte mit Ratten geben. :)


    Klassenhaustiere dagegen finde ich doof.
    Allein schon, weil am Wochenende niemand da ist, der gucken kann ob es den Tieren gut geht, von täglich frischen Wasser und der Frage wer den Tierarzt bezahlt mal abgesehn.
    Auch den Lautstärkepegel, der in Pausen in einem Klassenzimmer herrscht möchte ich keinem Tier zumuten ;)


    LG
    Eva

  • hiho


    in den pausen sind die kinder für gewöhnlich draußen und in der frühstückspause liegt es dann an der lehrerin oder am lehrer wie laut die kinder sind...


    was das wochenende angeht: entweder mann muss tiere finden, denen es nichts ausmacht am wochenende umzuziehen oder die lehrerin/der lehrer als verantwortliche person muss eben auch am wochenende in die schule fahren..
    also ich denke auch hier kommt es auf das wie an...


    lg

  • Hallo,


    puh, die Diskussion verzweigt sich immer mehr.


    Natürlich ist es wichtig für Kinder, Umgang mit Tieren zu haben. Aber dieser Weg sollte doch mehr über die Eltern führen, weil ohne deren Unterstützung nun mal nichts geht.
    Meine Basis bei diesem Thema ist aber nicht, was für Kinder gut sein könnte, sondern was für Ratten gut ist. Also ein anderer Blickwinkel.
    Natürlich ist es erstrebenswert, daß Ratten mehr Prestige im allgemeinen Bewußtsein bekommen, doch den Weg dorthin stelle ich mir eben anders vor.


    Das Argument von aosKasia fand ich gut und möchte es deshalb aufgreifen:
    Zitat: Auch Pferde sind Flucht- und Beutetiere. Es gibt aber auch genug von ihnen, die absolut cool, unerschrocken und selbstbewusst sind und perfekte Therapietiere darstellen. Viele Pferde haben Angst in unbekannten Situationen, vor komischen Geräuschen etc... aber man kann ihnen meist beibringen, gelassen damit umzugehen. Wieso sollte das mit Ratten nicht gehen? Sie sind doch für ihre Lern- und Anpassungsfähigkeit bekannt.



    Ich gebe zu, das ist ein gutes Argument. :)


    In der Regel finden die Therapien mit Pferden aber in deren Umfeld statt, das sie nicht nur kurz kennenlernen, sondern in dem sie regelmäßig trainieren. Auch erhalten sie im Idealfall ihren täglichen Ausritt . Sie haben ein ganz anderes Leben als Ratten, die innerhalb der Wohnung gehalten werden.
    Von den Ratten, die ich bisher so kennenlernte, war nur eine Einzige dabei, die derart gelassen war, daß ich sie für so etwas hätte vorbereiten können.
    Auch TA Besuche stecken meine Ratten ganz gut weg (ist wohl am ehesten vergleichbar mit Therapie im Klassenzimmer), trotzdem gibt es immer wieder Streßmomente, weil sie eben aus ihrem Umfeld geholt werden, der Deckel von der Transportbox aufklappt, andere Geräusche und Gerüche auf sie einwirken usw.


    Wenn man der Meinung ist, seinen Ratten Abwechslung bieten zu müssen, dann doch bitte zu Hause. Daß sie dort in Kontakten zu fremden Menschen trainiert werden, finde ich sinnvoll für alle Beteiligten.


    LG

  • Hallo,


    Zitat: Aber dieser Weg sollte doch mehr über die Eltern führen, weil ohne deren Unterstützung nun mal nichts geht.


    Sollte sicher, da hast du Recht. Tut er aber leider meistens nicht.
    Ich arbeite ehrenamtlich im Zoo (Lemuren-Freigehege und Giraffen) und bin oft schockiert, wie gerade die Eltern zu den Tieren stehen und was den Kindern vorgelebt wird.
    Ganz, ganz oft haben Eltern Angst vor den Tieren und lassen ihren Kindern überhaupt keine Möglichkeit, sich damit auseinander zusetzen. Da wird das total interessierte Kind schnell aus dem Gehege gezogen, weil die Tiere ja böse und dreckig sein könnten.
    Von daher ist es meiner Meinung nach unerlässlich, dass eben auch außerhalb des Elternhauses etwas in die Richtung getan wird.


    Lg,
    Steffi

  • Hi wieder,


    woran alle denken müssen, ist das kinder....kleine erwachsene sind.
    Es ist schwer die meinung von Erwachsene menschen zu ändern (z.b.ekelhafte ratten bleiben ekelhafte ratten).
    Manchmal können kinder ein art brücke stellen zwischen ratten und ihre eltern....durch die kinder tauen die (meistens Mütter) auf und merken das Ratten eigentlich knuddelige schlaue tiere sind.
    Das habe ich selbst bei freunde von meine kids gesehen.
    UND Zweitens ! Kinder werden irgendwann erwachsen sein. Denk doch an die zukunft! Wenn wir an unsere generation nichts ändern können, ist es doch genial wenn die kids freude an ratten bekommen und der kreislauf (Mutter sagt zu kind ratten sind ekelhaft = kind denkt das gleiche ) gebrochen wird.


    Ich stimme auch zu das nicht jede ratte für diese therapie geignet ist, aber es gibt definitiv welche die bestimmt spass daran haben. (eine von meine 3 damen ist so ein kandidat - die andere 2 nicht)



    ;) LG Patty

  • Hallo,


    Zitat: ...aber es gibt definitiv welche die bestimmt spass daran haben.


    @pattyratty: Nein, das glaube ich nicht. Mit dieser Argumentation rückst Du in die Nähe zu den Leuten, die ihre Ratten auf der Schulter herumtragen und das damit rechtfertigen, daß sie ihnen beispielsweise den blauen Himmel zeigen wollen...damit sie mal Abwechslung haben.


    In den anderen Punkten gebe ich Dir Recht, weshalb ich auch meine Wohnung für Ratteninteressierte Personen (inclusive Kinder + Eltern) öffne. Du hattest ja sehr schön geschrieben, wie das bei Euch abläuft.
    Ich kenne es auch von meinen Ratten, daß sie ihren Schlaf gerne mal für eine weitere Auslauf/ Spiel/ Kuschelrunde unterbrechen, aber das findet eben im häuslichen Bereich statt.
    Es wird ihnen nicht aufgezwungen, sie werden nicht extra geweckt, in ein fremdes Territorium transportiert und dann herumgereicht. Es mag sein, daß man einige Tiere so weit daran gewöhnen kann, daß sie es notgedrungen wegstecken, aber schön werden sie es nicht finden, sondern froh sein, endlich wieder im vertrauten Bereich sein zu können.


    LG

  • Hi


    @Kilaka
    Nun übertreibst du aber, nicht jeder, der seine Ratten für solche Zwecke einsetzen würde, würde sie auch gleich mit nach draußen nehmen. Das ist falsch. Und auch heißt das nicht, dass alldie ihre Ratten nicht ernst nehmen und sich nicht um ihr Wohl sorgen.


    Ich hab drei Tierheimratten mal fürs TV trainiert. Die drei kannten weder mich, noch die Umgebung, in der das alles stattfinden sollte. Das Training dauerte nicht einmal zwei Wochen, in denen die drei von mir jeden Tag mit der Transportbox in den Raum gebracht wurden und dort viel Leckereien, einen sicheren Ruheraum (Käfig) und Auslauf zur freien Verfügung nach Belieben hatten. Die Ratten durften sich an eins nach dem anderen gewöhnen, nach einer Woche schon waren sie absolut begeistert, sind in ihre Transportbox alle drei sofort reingehopst, sind mit die Strecke zum anderen Haus gereist, dort in ihren Ruhekäfig rein und von da aus sofort durch die Gegend gelaufen, haben mit Freude alles erkundet, meinen Rucksack durchsucht und Leckerlis gesammelt. Das eigentliche TV-Training haben sie mit viel Spaß mitgemacht und sind richtig rund geworden von der vielen Belohnungspaste :) Als das Kamerateam mit Scheinwerfer, Kameras und allem anrückte, lagen die drei entspannt in ihrem Käfig auf dem Rücken und haben geschlafen, und wer grad rauskam durfte beim Dreh mitmachen. Das alles war absolut freiwillig und anstrengend wegen der vielen Lauferei, aber die Ratzis haben sich sehr drauf gefreut, in so eine fremde Umgebung zu kommen und dafür brauchte es gerade mal 2 Wochen bei völlig fremden Tieren.
    Wenn ich Ratten ein Jahr lang habe und der Plan besteht, dass sie einmal solche Aufgaben erfüllen sollen, sollte es ja möglich sein, sie auch in dieser Zeit darauf vorzubereiten. Wenn sie aus seriösen Quellen kommen erst recht, ich trainiere meine Babies hier in den ersten Lebenswochen immer auch darauf, in der Transportbox zu reisen und auf fremde Menschen offen zuzugehen und sich auch bei lauten Geräuschen nicht zu erschrecken. Man könnte sie ohne weiteres auch dazu bringen, sich schnell in neuen Käfigen in neuen Umgebungen sicher zu fühlen, weil die Sicherheit in jungen Lebenswochen grundlegend aufgebaut wird. Ratten sind extrem lernfähig und auch willig zu lernen, das weiß jeder, der seine Tierchen schon mal wirklich konsequent trainieren wollte.


    So dumm sind Ratten nicht. Kinder im Übrigen auch nicht immer ;) Auch die lassen sich trainieren.


    Ich muss aber auch noch einen anderen Punkt mit einführen, den schon einige angedeutet haben. Gerade die langjährig Aktiven hier, die viel in der Vermittlung und in Tierheimen tun, viel beraten, wissen, wie immens wichtig Nachwuchsarbeit ist. Je früher man Kinder an den verantwortungsbewussten Umgang mit Tieren heranführt, desto besser, was sie in jungen Jahren lernen bleibt noch hängen, während der Pubertät braucht man da nicht mehr viel Grundsatzarbeit leisten ;) Wenn kleine Kinder in der Schule lernen, dass man Tiere nicht aus dem Zooladen kauft und sich vorher ausgiebig vorbereitet darauf, dann ist es für sie eine Selbstverständlichkeit und wird eher durchgeführt. Von sich aus sind Kinder doch so: Oh süß, will haben . Und zuviele Eltern geben da noch nach, geschweigedenn dass sie einen angemessenen Umgang mit Tieren als Vorbild praktizieren, weil sie selber meist noch voll davon sind, wie man Tiere halt zu ihrer Zeit noch gehalten hat...
    Da wurden Hamster noch in Hamsterknästen gehalten, Ratten alleine wenn überhaupt, Kaninchen in kleinen Holzboxen zum Mästen allein und Meerschweinchen hat man vll mal mit einem Kaninchen zusammen als Haustier gehabt. Sie/wir haben auch nie gelernt, dass man sich auf Tiere ausgiebig vorbereiten muss. Und jetzt haben sie erstmals wieder Kontakt mit dem Thema, wenn die Kinder ein Tier wollen und dann kauft man halt eins . Wenn die Kiddies aber vorher im unterricht schon gelernt haben, wie das richtig abläuft, haben sie das im besten Fall auch gleich mit nach Hause getragen und erzählt, dann kommen die Eltern vielleicht auch mal auf die Idee, dass das was sein könnte.
    Und nicht wenige Eltern kommen ins Tierheim, weil ihre Kinder unbedingt Ratten angucken wollen, sie die aber eklig finden... bis sie sich dann doch mal überreden lassen, sie anzufassen. ;)


    Möglich, dass das für die Ratten in dem Moment ein bissl stressig ist, ein oder zwei Tage lang. Aber die überleben das und es ist ein kleines Opfer wenn man längerfristig denkt, wie das die NFV hier ja notgedrungen tun müssen. Die Ratten, die wir gerade haben sind das eine, aber wie soll es sich in Zukunft entwickeln?


    LG
    Judith

    Grüße von den Rattenrentnern (Oma-Meister: Omimimi, Lyanna, Ca-và mit 3 J. 5 Mon.):
    Jame(W)+Olenna(W)+Summer(W), Kathi+Omimimi+Roxanne+Woody, Lyanna+Ca-và, Pamela+Tomate+Rösti+Spaghetti+Miko, Tick-Tick+Swiffer+Leonie+Cera+Dacky+Spike+Petrie+Opel+Audi, 2 Pflegewildmädels, 2 Patienten Casper+Brose

  • Hallo,


    Zitat: :


    ...aber es gibt definitiv welche die bestimmt spass daran haben.




    @pattyratty: Nein, das glaube ich nicht. Mit dieser Argumentation rückst Du in die Nähe zu den Leuten, die ihre Ratten auf der Schulter herumtragen und das damit rechtfertigen, daß sie ihnen beispielsweise den blauen Himmel zeigen wollen...damit sie mal Abwechslung haben.


    Das ist doch quatsch...und auch ganz schön unverschämt gegenüber der Leiterin dieses Projektes. Es gibt einen himmelweiten Unterschied zwischen einem zeitbegrenzten Projekt im geschlossenen, temperierten Raum unter Aufsicht und mit Rücksichtnahme, und dem Herumschleppen von Ratten in der Natur.


    Ansonsten kann ich nur unterstreichen, was Judith zur Nachwuchsarbeit gesagt hat.


    Lg,
    Steffi

  • Hallo,


    @ Yumeko 84:
    Deinen Thread zum Rattentraining im TV habe ich verfolgt und die Sendung gesehen :) Ich finde, es ist ein schönes Beispiel dafür, wie wichtig es für Ratten ist, geistige Anregung und Bewegung zu bekommen, selbst wenn in diesem Fall ihre Lernfähigkeit im Vordergrund stand.
    Ich sehe da eher einen Bezug zu häuslichen Bedingungen, wenn der Auslauf aus Platzgründen in einen anderen Bereich verlegt wird und die Ratten in der Trapo dorthin gebracht werden. Der Streß in den ersten Tagen rechtfertigt dann den längerfristigen Nutzen für die Ratten.


    Die beteiligten Ratten haben aber nichts davon, wenn sie in Klassenzimmern herumgereicht werden.
    Selbst über den grundsätzlichen Nutzen für Ratten im allgemeinen kann man streiten: Es nützt den Kindern gar nichts, über richtige Rattenhaltung Bescheid zu wissen, wenn die Eltern nicht auch mit im Boot sitzen.
    Dann kommen nämlich so Sachen heraus, daß der Teenie seinen Ratten gerne Auslauf bieten möchte, aber nicht darf, weil die Mutter Angst hat, daß ein Köttel auf dem schönen Parkett landet oder das Kinderzimmer durch einen selbstgebauten Auslauf verschandelt wird.


    Außerdem macht es einen Unterschied, ob man Eigenschaften der Ratte wie Neugierde, Menschenbezogenheit und Spaß an der Interaktion für seine Zwecke benutzt und damit rechtfertigt, sie auf der Schulter herumzutragen/ in Klassenzimmern herumzureichen...
    oder auf das Wesen der Tiere Rücksicht nimmt und sagt: OK, es ist zwar eine Streßsituation für sie, aber mit einem vernünftigen Training kann ich auf deren Lernfähigkeit aufbauen und die bittere Pille etwas versüßen.
    Ich weiß nicht, aus welcher Ecke die Therapeutin des Artikels argumentiert, weil das nicht daraus hervorgeht. Sollte es so sein, daß sie behauptet, die Ratten hätten schon vom Wesen her Spaß daran, mag ich mir gar nicht ausmalen, wieviel Mißbrauch diesem Projekt folgen könnten.


    Ich möchte noch mal auf die betreffende FAQ verweisen und hieraus zitieren: Zitat: Eine Bemerkung am Rande:
    Ratten wollen nicht nach draußen!
    Die scheinbare Neugier und Aktivität, die sie in unbekannten Gegenden an den Tag legen, ist blanker Überlebensinstinkt und reiner Streß.
    Auf dem Speiseplan einer langen Reihe von Fressfeinden stehend, versucht die Ratte instinktiv, möglichst schnell Fluchtwege zu erkunden. (vgl. dazu Oliver Schleifs Dissertation)
    Am zufriedensten ist die Ratte, wenn in einem bekannten Revier bekannte Wege vorhanden sind. Und dazu möglichst wenig fluchtauslösende Ereignisse stattfinden.


    Die beständige Angst vor etwas Neuem kann die Lebenserwartung deutlich verkürzen. Diese so genannte Neophobie führt zumindest bei Ratten zu einem erhöhten Pegel bestimmter Stresshormone. Das berichten amerikanische Wissenschaftler im Fachmagazin PNAS (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.2535721100).



    **Link entfernt, da veraltet**


    LG

  • Hallo


    @kilaka
    Das war jetzt aber nicht so zielführend. Die Faq geht darum, seine Ratte mit nach draußen zu nehmen, also an die frische Luft überall mit hin wo man selber auch hingeht.
    Und es ist nicht davon gesprochen worden, dass die Ratten dort wahllos einfach herumgereicht werden. Na klar sollte man das nicht machen, wenn man es dermaßen gegen den Willen der Ratten abhält, aber darum geht es doch gar nicht.


    Natürlich reicht man die Ratten nicht am Schwanz herum und welches Kind sie zuerst erwischt, darf sie nehmen ;) Das ist doch aber klar, natürlich können die Ratten weiterlaufen wie sie es selber wollen und werden zu nichts gezwungen.
    Es ist nie ein Argument zu sagen, etwas ist schlecht, blos weil es Leute gibt, die Schindluder damit betreiben. Natürlich sind Ampeln sinnvoll, auch wenn Leute bei Rot drübergehen ;) Und genauso kann man überlegen, ob ein solches Vorgehen sinnvoll ist, wenn man dabei den Ratten möglichst viel Vorbereitung und Ruhe bietet und auch die Kinder entsprechend vorbereitet. Ja, es gibt Leute, die Schulzoos halten und das ist eine katastrophe dort, aber es ist ja nie ein Argument gegen etwas, dass es nichts nützt wenn man es verkehrt macht.


    Und die Vorstellung von der Familie ist nicht wirklich durchdacht. natürlich haben die was davon, wenn sie das lernen. Das ist ein prinzipieller Umgang mit dem Tier, den sie da lernen und das speziell nochmal mit den Ratten. Diese Grundsätze können sie auf alle Tierarten übertragen. Und zuhause bekommen sie nur Ratten, wenn die Eltern ihr OK geben und wenn die solche Angst um ihre Couch haben, werden sie schonmal kein OK zur Anschaffung geben. Und das Kind wird dann auch überlegen, ob das Sinn macht ein Tier zu halten, dem man nicht den nötigen Auslauf geben kann.


    LG
    Judith

    Grüße von den Rattenrentnern (Oma-Meister: Omimimi, Lyanna, Ca-và mit 3 J. 5 Mon.):
    Jame(W)+Olenna(W)+Summer(W), Kathi+Omimimi+Roxanne+Woody, Lyanna+Ca-và, Pamela+Tomate+Rösti+Spaghetti+Miko, Tick-Tick+Swiffer+Leonie+Cera+Dacky+Spike+Petrie+Opel+Audi, 2 Pflegewildmädels, 2 Patienten Casper+Brose

  • Huhu,


    die Diskussion ist tatsächlich ziemlich spannend. Auch wenn ich im Sinne einer Imageverbesserung zu einer etwas -äh- liberaleren Auslegung tendiere, hat Kilaka tatsächlich die präziseren und stichhaltigeren Argumente (und das liegt nicht nur daran, dass ihr eher Nicht-Argumente wie Quatsch oder Unverschämtheit entgegnet wird)
    Auf das wenn-doch-die-Ratte-Spaß-daran-hat - Argument hätte ich mit der gleichen kategorischen imperativartigen Prüfung reagiert :D Mit dieser Art der Überlegung kann man sich vielen Problemstellungen sehr effektiv nähern.


    Die FAQ kommt natürlich historisch aus dem Schulterrattenproblem. Aber Sätze wie Die scheinbare Neugier und Aktivität, die sie in unbekannten Gegenden an den Tag legen, ist blanker Überlebensinstinkt und reiner Streß. können sehr wohl für sich allein stehen und sind nicht an den Umstand geknüpft, ob über einem der blaue Himmel zu sehen ist oder eine Zimmerdecke. Schließlich wird Kids hier, die ihre Ratten gerne mal zur Spielkameradin 3 Straßen weiter mitnehmen wollen, das gleiche erzählt. Oder würden wir tatsächlich sagen: wenn du das regelmäßig tust und deine Tiere nicht panisch reagieren, kannst du deine Ratten gerne zu deinen Freundinnen mitnehmen.


    Die Umstände, wann wieso unter welchen Umständen Ratten woanders hin mitgenommen werden können, müssen also präziser formuliert werden. Da reicht es nicht zu sagen, wenn sie Spaß daran haben oder wenn keine blauer Himmel über einem zu sehen ist .
    Die Argumente müssen so sein, dass sie - und da sind wir wieder beim besagten kategorischen Imperativ - für jeden anders gelagerten Fall genauso anwendbar sind oder eben nicht. Das fehlt hier tatsächlich noch.


    LG Katharina

    Auf unserer Homepage findet ihr alle Vermittlungstiere der Ratten-Nothilfe Leipzig.
    Darüber hinaus findet ihr dort Infos zur Rattenhaltung, unseren Stammtisch sowie alles rund um unsere Arbeit :)

  • Hi,


    Was mir hier bei den ganzen Argumentationen um die Umstände an Deutlichkeit fehlt: es kommt immer auf die Ratte an (also das Individuum, die 'Persönlichkeit' des einzelnen Tieres.)
    Sonst sind wir nämlich ganz schnell bei folgendem, daß jemand tatsächlich eine 'zahme', 'streßresistente' Ratte erwischt oder sogar trainiert, der es kaum was ausmacht, mit rausgenommen oder herumgereicht zu werden. Daraus wird ohne weitere Erfahrung mit ziemlicher Sicherheit der Schluß gezogen: alles Blödsinn, Ratten kann man mit rausnehmen.
    Und die nächste hüpft vor Schreck unters Auto.


    Wir hatten im Lauf von 20 Jahren sehr viele Ratten, denen man die Hölle angetan hätte, hätte man versucht, sie mit rauszunehmen. Darunter waren grade mal drei, die man schon mal mit auf den Spaziergang zum Bäcker nehmen konnte; alle drei sowieso sehr anhänglich, sehr neugierig, sehr unerschrocken, sehr lernfreudig.
    Der Umkehrschluß funktioniert hier aber nicht - nicht alle neugierigen, anhänglichen, unerschrockenen Ratten kann man mit rausnehmen.


    Woher soll jetzt ein Kind oder Anfänger die Erfahrung nehmen, ob sein Tier vom Wesen her überhaupt für ein Training geeignet ist? Deshalb ist erstmal grundsätzlich davon auszugehen, daß Ratten keinen Spaß daran haben, mit raus-bzw in fremde Umgebung zu kommen.
    Die Ausnahmen gibt es sehr wohl - aber ganz bestimmt wird diese Ausnahme nicht ausgerechnet die allererste Ratte aus dem Zooladen sein, die sich ein Teenie zutut, und sicher auch nicht die zweite oder dritte.



    Zitat: dann kommen die Eltern vielleicht auch mal auf die Idee, dass das was sein könnte.
    Und dann glauben die Eltern, die Kinder haben den Umgang mit dem Tier ja in der Schule gelernt, und kaufen ihm eins, solang es verspricht, sich zu kümmern. Kind dann überfordert, Eltern sauer oder gleichgültig, Ratte verhungert schlimmstenfalls, bestenfalls wird sie rausgeschmissen: Das ist der Pool, aus dem ich ganz viele meiner lieben Kleinen bekomme....


    Grüßle

  • Hallo,


    Zitat:
    Woher soll jetzt ein Kind oder Anfänger die Erfahrung nehmen, ob sein Tier vom Wesen her überhaupt für ein Training geeignet ist?


    Wieso ein Kind oder Anfänger ? Dieses Projekt wird von einer ausgebildeten, erwachsenen Person geführt.


    Zitat:
    Und dann glauben die Eltern, die Kinder haben den Umgang mit dem Tier ja in der Schule gelernt, und kaufen ihm eins, solang es verspricht, sich zu kümmern. Kind dann überfordert, Eltern sauer oder gleichgültig, Ratte verhungert schlimmstenfalls, bestenfalls wird sie rausgeschmissen: Das ist der Pool, aus dem ich ganz viele meiner lieben Kleinen bekomme....


    Wenn die Projektleiterin es gut macht, wird sie den Kindern auch deutlich machen, was Rattenhaltung bedeutet und das die Eltern mitziehen müssen. Man kann Kindern durchaus klar machen, dass es besser ist, sich keine Tiere anzuschaffen, wenn die Bedingungen nicht stimmen. Dein genanntes Problem sehe ich viel eher bei Kindern, die nur mal bei Freunden ne Ratte gesehen haben und ansonsten keinerlei Ahnung von den Tieren haben.



    Lg,
    Steffi

  • Huhu,


    Zitat: Dieses Projekt wird von einer ausgebildeten, erwachsenen Person geführt.


    Problem ist nur, dass die Ausbildung auf die Standardtiere abziehl.
    Hund, Katz, Pferd, vllt noch einige Bauerhoftiere und natuerlich auch Delfine.


    Ob Ratten speziell ueberhaupt Thema ist und dass die Informationen korrekt sind, die waehrend der Ausbildung (welche Dachorganisation kontrolliert die eigentlich ?) vermittelt werden, ist auch fraglich, wenn man sich anschaut, was an Unwissen weiterhin im Umlauf ist.

    Liebe Grüsse von Nienor und ihren Langschwanzflauschnasen


    Der größte Feind des Heimtiers ist der unwissende Besitzer.
    Silvia Blahak

  • Hallo,


    Zitat:


    Problem ist nur, dass die Ausbildung auf die Standardtiere abziehl.
    Hund, Katz, Pferd, vllt noch einige Bauerhoftiere und natuerlich auch Delfine.


    Ob Ratten speziell ueberhaupt Thema ist und dass die Informationen korrekt sind, die waehrend der Ausbildung (welche Dachorganisation kontrolliert die eigentlich ?) vermittelt werden, ist auch fraglich, wenn man sich anschaut, was an Unwissen weiterhin im Umlauf ist.
    _________________


    Da hast du natürlich recht. Irgendjemand sagte aber, dass er die Person aus einem anderen, sehr bekannten Rattenforum (das ähnliche Ansichten wie dieses vertritt) kennt, daher schließe ich daraus, dass korrektes Wissen über Ratten vorhanden ist.
    Wenn das nicht so ist, wäre das natürlich schlecht.


    Lg,
    Steffi

  • Hi,
    da steht Ratten sind nicht nachtragend , dass habe ich aber schon anders erlebt. Da muss man nur einmal mit meiner Cleo zum TA gehen, die ist daraufhin die ganze nächste Woche eingeschnappt und wenn man sie dann füttern oder Auslauf bieten will, guckt sie einen nicht an und kommt nicht aus ihrem Haus heraus. Ein TA-Besuch führt dazu das ich erstmal wieder hart um ihr Vertrauen kämpfen muss.


    Aber allgemein finde ich die Idee gut, Kindern Ratten näher zu bringen, das minimiert auch die kollektive Angst, bzw. den Ekel in der Bevölkerung.
    LG Lucilla

  • Hi


    @Luzilla
    Das ist ungewöhnlich, vielleicht solltest du versuchen, für sie die Transporte etwas angenehmer zu gestalten. Hier sind alle begeisterte Tierarztgänger. Auch wenn es nicht so lustig ist manchmal und anstrengend, es wird ihnen immer angenehm gestaltet, in der Box ist es schön warm und kuschelig, mit dem Leckersten Essen dabei und einem Kuschelpartner, beim Tierarzt gibt es viele Leckerlis und sie haben genug Zeit und Raum, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen, dass es zumindest nichts schwer traumatisierendes ist und zuhause wird sofort mit Brei und Leckerlis überhäuft. Manche hier sind schon so routinierte Tierarztgänger, dass sie sich da sehr freuen und den ganzen Transport durch ihre Kekse knabbern und dort und hier gleich mit Betteln anfangen.
    Das kann man üben, vor allem das Transportieren mit der Box kann man immer mal wieder in die Auslauf-Routine einbauen und die Ratten loben, wenn sie wieder rauskommen, damit schnell alles vergessen ist.
    Meine TV-Ratten hab ich mit der Transportbox eine kleine Strecke in ein anderes Haus transportieren müssen für ihr Training, das wurde in den ersten Tagen ein paarmal gemacht, immer hin und her. Nach ein paar Tagen sind sie begeistert alle drei in die Transportbox gehüpft wenn ich sie hingehalten hab, die waren sofort dabei.


    Mit Training kann man vielen Ratten da einiges beibringen und an Stress nehmen, wenn man es richtig gestaltet und da mit viel Ruhe rangeht.


    LG
    Judith

    Grüße von den Rattenrentnern (Oma-Meister: Omimimi, Lyanna, Ca-và mit 3 J. 5 Mon.):
    Jame(W)+Olenna(W)+Summer(W), Kathi+Omimimi+Roxanne+Woody, Lyanna+Ca-và, Pamela+Tomate+Rösti+Spaghetti+Miko, Tick-Tick+Swiffer+Leonie+Cera+Dacky+Spike+Petrie+Opel+Audi, 2 Pflegewildmädels, 2 Patienten Casper+Brose

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